Download Allein schon Arbeit

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Es ist tatsächlich, wirklich, endlich geschafft!
Unsere Sendung zur Veranstaltung „Allein schon Arbeit“ vom 30.04.2013 lief über den Sender und Ihr könnt sie Euch jetzt hier herunter laden: Rechtsklick und „Speichern unter“ Viel Spaß damit und reiche Erkenntnis!

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Allein schon Arbeit

allein-schon-arbeit-webVeranstaltung zur Kritik der Arbeit, mit Stephan Grigat (Wien) – 30. April 2013, 18.00, T-Stube, Allende Platz 1

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In ein paar Tagen ist es wieder so weit. „Der Tag der Arbeit“ steht vor der Tür. Schon seit über 100 Jahren fordern abertausende Menschen an diesem Tag Arbeit, Arbeit und nichts als Arbeit. Sei es auf Gewerkschaftsmärschen oder revolutionären Demos, alle sind sich einig und appellieren lautstark an den Staat: „Für uns alle, Gute Arbeit […]“1.
Das Problem dieser Gesellschaft ist allerdings nicht, dass ihr die Arbeit ausgeht, sondern viel mehr, dass sie trotz ihres enormen Fortschritts, vielen Menschen den Luxus, der für alle realisierbar wäre, vorenthält. Schon Max Weber erkannte in der protestantischen Arbeitsethik das Verlangen dem
Leben durch Arbeit und Askese Bedeutung zu verleihen. Gegenüber ebendieser Vorstellung von „ehrlicher christlichen Arbeit“ etablierte sich im 15. Jahrhundert ein antijüdischer Hass, der ein Bild vom „arbeitsscheuen und raffenden Juden“ zeichnete, denen “[…] man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke […] Dass man auch ihre Häuser und dergleichen zerbrechen […] Dafür mag man sie unter ein Dach oder Stall tun, wie die Zigeuner.“.2
Martin Luther, der Urheber der Reformation, erweiterte dieses antisemitische Stereotyp und erklärte den „jüdischen Wucher“ als Pendant zur „schaffenden Arbeit“ der Christen.
Der Nationalsozialismus adaptierte dieses Schema für seine „Rassenhygiene“. Unter dem grausamen Leitspruch “Arbeit macht frei” wurden Jüdinnen und Juden zur Arbeit gezwungen und in der Strategie “Vernichtung durch Arbeit” ermordet.3
Heute finden sich Arbeitswahn und eine falsche Kapitalismuskritik, die die abstrakte Sphäre der Verwertung gerne im „Finanzkapital“, in der „Zinsknechtschaft“, bei „ den Bonzen“, „Kapitalisten“ und „Spekulanten“ wittern, in nahe zu allen politischen Lagern wieder. Diese Reaktion auf eine ungleiche Verteilung von Wohlstand ist allerdings das Gegenteil einer notwendigen und emanzipatorischen Kritik an den Verhältnissen.4In der 13. Veranstaltung der „Allein schon…“-Reihe werden wir uns mit dem Begriff der deutschen Arbeit, dem damit zusammenhängenden Antisemitismus und seiner Kritik befassen. Hierfür haben wir den Wiener Publizisten und Politikwissenschaftler Stephan Grigat eingeladen.Wir freuen aus auf euer zahlreiches Erscheinen und eine lebendige Diskussion,
Euer studentisches Milieu

1 DGB Bezirk West (Rheinland-Pfalz / Saarland): URL: http://west.dgb.de/themen/++co++52357e3a-8713-11e2-a594-00188b4dc422
2 Luther, Martin (1543): Von den Juden und ihren Lügen, WA 53, S. 523 ff.
3 „Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, dass Juden und Zigeuner schlechthin, Polen, die etwa 3 bis 4 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hätten, […] vernichtet werden sollten. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.“. Nürnberger Dokument PS-682, zitiert nach Jens-Christian Wagner: Das Außenlagersystem… In: Ulrich Herbert et al. (Hrsg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Frankfurt/M 2002
4 Dazu empfehlen wir den Mitschnitt unserer Veranstaltung „Allein schon Kapital“ unter https://studentischesmilieu.wordpress.com/download/
Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft, Philosophie und Judaistik an der Universität Wien. Er ist Autor von „Fetisch & Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus.“ (Freiburg: ça ira 2007), Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert.“ (Freiburg: ça ira 2012), publiziert u.a in der taz, Jungle World, Konkret und in Österreich in Die Presse und Der Standard. Stephan Grigat ist Mitglied bei Cafe Critique und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kampange Stop the Bomb.
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Download: Allein schon NSU

Allein schon NSU, unsere Veranstaltung mit Katharina König lief gestern das erste Mal im FSK. Für alle, die die Sendung vom mp3player hören wollen: http://archive.org/details/AlleinSchonNsu

Morgen von 14-16h läuft „Allein schon Grenzen“ und ist danach ebenfalls hier für den heimgebrauch zu haben

fsk kaputt!

Falls ihr im radio allein schon hoeren wolltet: bei der telekom ist irgendwas schrott, der livestream laeuft allerdings. Ansonsten download spaeter hier.

Allein schon NSU im Radio und Netz

Da am 17. April der Prozess gegen den NSU eröffnet wird, haben wir uns eine Lücke im FSK-Programm gegriffen und werden bereits am Samstag, 20.04 von 16-18 Uhr senden. Danach wird die Sendung wie immer hier auf dem Blog zum download angeboten.

Die nächsten Sendetermine danach:

22.04., 14-16 Uhr: Allein schon Grenzen
http://www.fsk-hh.org/transmitter/allein_schon_grenzen/67523

27.05., 14-16 Uhr: Allein schon NSU (regulärer und im transmitter angekündigter Termin)
http://www.fsk-hh.org/transmitter/allein_schon_nsu/68113

Allein schon Arbeit

Ansonsten beginnt gerade die Propaganda für „Allein schon Arbeit“ mit Stephan Grigat.

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/399147136850250

Lese/Hörempfehlungen:

http://www.contextxxi.at/context/content/view/288/81/index.html

http://audioarchiv.blogsport.de/2009/02/26/freiheit-und-wahn-deutscher-arbeit/

 

„Allein schon NSU“ – Webtipps

Eine kleine Blogschau für weitere Updates zum NSU:

http://antifa-nt.de/?page_id=1498
Ausführlicher Aufruf der Münchener Antifa NT zur Teilnahme an der Demonstration am 13.04 zum Prozessbeginn gegen Beate Zschäpe. Viel aus der gestrigen Diskussion kommt auch hier vor.

Bei aller Notwendigkeit die Verstrickungen des Staates oder Teile seiner Organe zu skandalisieren, ist es vielsagend, wenn weiten Teilen der radikalen Linken zum Thema NSU nicht viel mehr einfällt als die – sicherlich richtige – Forderung nach der Abschaffung des Verfassungsschutzes. All jene Erklärungsansätze für den NSU, die sich ausschließlich für das Trio Mundlos – Böhnhardt – Zschäpe und die Verwicklungen des Verfassungsschutz interessieren, laufen ins Leere.

http://phase-zwei.org/hefte/artikel/der-nsu-und-das-antifaschistische-schweigen-236/
Artikel aus der aktuellen Phase2 zum Schweigen der antifaschistischen Szene zum NSU

Auch das Desinteresse an den vom NSU Ermordeten und den Bedürfnissen und Forderungen der Überlebenden ist ein Ausdruck dieser Ignoranz. Es ist an der Zeit, nach Möglichkeiten zu suchen, diese Ignoranz aufzubrechen und unterschiedliche Perspektiven auszutauschen. Um bestehende Machtverhältnisse in der Praxis nicht zu reproduzieren, bedarf es außerdem einer ernsthaften und vor allem auch (selbst-)reflexiven Beschäftigung mit Rassismus und anderen mächtigen Differenzierungsmechanismen. Der Blick über den Antifa-/»Szene«-Tellerrand, der Austausch von Erfahrungen und die Reflexion von Privilegien sind Wege zu einem besseren Verständnis gesellschaftlicher Ordnungs- und Ausgrenzungsmechanismen hin zu einer politischen Praxis, die inmitten und trotz realer Macht- und Deutungsunterschiede der Protagonist_innen gemeinsames Handeln zum Ziel hat, ohne diese Unterschiede zu reproduzieren. Die politische Auseinandersetzung um den NSU, um Nazis und Staat, alltäglichen und institutionellen Rassismus ist nicht zu Ende. Für ein antifaschistisches Einlenken, das gemeinsam mit den Überlebenden und anderen, die sich zu Wort melden, das deutsche Schweigen durchbricht, ist es nicht zu spät.

http://www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremismus/rassismus-und-staatsvertrauen-vom-journalistischen-versagen-im-nsu-komplex/7958130.html
Heike Kleffner analysiert das Versagen der Medien

Das Versagen von Journalisten, Rassismus als zentrales Motiv der NSU-Mordserie zu erkennen, hat mehrere Ursachen: Übergroßes Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden und zu wenig alltägliche Kommunikation mit Migranten gehören dazu. Eine Selbstkritik.

Info-Blogs

Ankündigung – Allein schon NSU

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Überblicksveranstaltung zu den Ermittlungen rund um den Nationalsozialistischen Untergrund mit Katharina König – 25. März 2013, 18.00, T-Stube, Allende Platz 1

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Am 17. April wird in München der Prozess gegen Beate Zschäpe beginnen. Bereits heute tagen verschiedene Untersuchungsausschüsse von Bundestag, Bundesländern und nun sogar eine “Ermittlungsgruppe Umfeld” in Baden-Württemberg. Aufgeklärt werden sollen nicht nur die Morde an Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kiliç, Yunus Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Michèle Kiesewetter und Halit Yozgat durch das Nazi-Terror-Netzwerk.

Das Verhalten der Geheimdienste und Polizei, das mit Worten wie “Versagen” oder “Pannen” schwerlich umschrieben werden kann, legt die Fragestellung nicht nur auf strukturelle Überlegungen, wie diejenige nach dem Sinn des V-Mann-Systems oder des Verfassungsschutz generell. Wer sich die Kooperation von Behörden und Bevölkerung mit den mordenden Nazis genauer anschaut, wer sich die wenigen Reaktionen der Linken während der Mordserie und auch darüber hinaus anguckt, wer die Ermittlungen der Polizei oder die Medienberichterstattung über die “Dönermorde” in den Blick nimmt, kann nicht über den die deutsche Gesellschaft durchziehenden Rassismus und Antisemitismus hinwegsehen.

Die Familien der Ermordeten wurden drangsaliert, die Toten als Drogenhändler, Pädophile oder Menschenschmuggler verdächtigt. Sie sollten “geknackt” werden, die Kriminalität, die hinter den Morden stehen sollte, endlich zugegeben werden. Der Name der Ermittlungsgruppe “SOKO Halbmond” bzw. “Soko Bosporus” gaben dabei bereits das zu findende Ziel vor, für das sich die Ermittler nicht zu doof waren, einen Geisterbeschwörer zu Rate zu ziehen oder eine Dönerbude zu eröffnen. Kritische Stimmen innerhalb der Polizei wurden ignoriert, zu hartnäckige Hinweisgeber auf Nazimörder kaltgestellt.

Im Nachhinein wird immer wieder der Quellenschutz als Rechtfertigung angeben. Exemplarisch dafür steht der V-Mann Tino Brandt, gegen den mehr als 30 Ermittlungsverfahren eröffnet wurden, von denen keines zu strafrechtlichen Konsequenzen führte. Der Chef des Thüringer Heimatschutzes, in dem auch Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe organisiert waren, wurde vor Hausdurchsuchungen ebenso gewarnt wie vor Observationen. Sein Gehalt – über die 10 Jahre immerhin rund 200.000 DM, sowie Zahlungen für Rechtsanwaltshonorare, Reisekosten und technisches Equipment – steckt er nach eigenen Angaben immer wieder in die rechte Szene. Zudem wusste er ganz genau, wie er den VS für seine Zwecke nutzen kann und garantierte die Sicherheit rechter Veranstaltungen vor Polizeibesuchen.

An Brandt zeigen sich elementare Bestandteile des Elends, dessen Aufdeckung wir gerade verfolgen: Vom VS bezahlt, geschützt und unterstützt, wendete er die so gewonnen Freiheiten an, um die rechte Szene voranzubringen. Die V-Leute, die Informationen aus der rechten Szene an die Geheimdienste liefern sollten, um gegen sie vorzugehen, nutzten das System also erfolgreich für ihre Zwecke. Und das war keine Ausnahme, sondern die Regel, offensichtlich abgesprochen und in weiter Breite. Der Rechtsanwalt der Familie Boulgarides, Yavuz Narin brachte das so auf den Punkt: “Überspitzt formuliert stellt sich mir die Frage, ob am NSU überhaupt Nicht-V-Leute teilgenommen haben.”

Die Vertuschung wichtiger Informationen, die Unterstützung der Nazis und das viele Wegsehen und Zerstören von Informationen während und nach der Mordserie sind extrem auffällig. Denn klar muss sein: Ohne die “Amtshilfe”, die maßgebliche Finanzierung der Naziszene in großen Teilen Deutschlands durch den Verfassungsschutz, wäre die rechte Bewegung nicht in der Lage gewesen, ein Mordprojekt wie den NSU aufzuziehen.

All diesen Konfliktpunkten wollen wir uns am Montag, den 25.03.2013, um 18 Uhr in der T-Stube zuwenden. Wir haben uns dafür Katharina König, sitzt für Die Linke im Thüringer Landtag und ist dort Mitglied des Untersuchungsausschusses, eingeladen und werden zudem auch selbst ein paar Punkte auf dem Podium beisteuern.

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